Manche bezeichnen mich als sportfanatisch, aber ich glaube, dass das völlig übertrieben ist. Wenn ich mein Pensum an Aktivitäten mit dem Anderer vergleiche, dann müsste ich mich eigentlich verstecken. Aber eines ist mir mittlerweile klar geworden: Wer sportlich lebt bzw. viel Zeit im Freien verbringt, lebt sein Leben bewusster.
Wie ich zu dieser gewagten Theorie komme? Ich möchte behaupten, dass man auf einem Berg stehend und ein Panorama genießend schon irgendwie mehr das Leben in seinen kleinen Essenzen wahrnimmt, als wenn man eine Bierflasche haltend auf einer verrauchten Party steht. Nun mögen die einen sagen, dass jeder auf seine eigene Art und Weise das Leben genießt. Das mag ich auch gar nicht bestreiten, aber ich finde es schon irgendwie schade, dass sich so viele Menschen der schönen Dinge und Erlebnisse entsagen.

Sonnen bei -15 Grad
Schon allein so ein Sonnenaufgang in den Bergen ist etwas ganz besonderes. Wenn sich die Sonne in aller Herrgottsfrühe über den Horizont schiebt, die Wolkendecke über dem Tal liegt und die Bergspitzen scheinbar darauf schwimmen, dann weiß ich, dass ich lebe. Oder das geniale Gefühl, einen Gipfel nach langem und schweißtreibenden Aufstieg zu erreichen, das macht doch das Leben aus. Wenn man dann zig Meter in die Tiefe oder unendlich weit in die Ferne blicken kann, dann weiß man wie klein und unbedeutend man für die Welt an sich ist. Eigentlich deprimierend, aber man erfährt dort oben auch, wie schön es doch ist, auf diesem Flecken Erde leben zu dürfen.
Ich würde mir wünschen, dass die Menschen öfter draußen unterwegs sind. Nicht unbedingt unter dem Vorsatz sich sportlich zu bewegen, sondern vielmehr, um ihre Umwelt bewusster wahrzunehmen. Denn erst dort begreifen sie, wie jeder einzelne seinen Anteil daran hat, die Welt grundlegend zu verändern. Jeder Mensch, der einmal den Zauber der Berge und der Natur für sich entdeckt hat, denkt anschließend etwas anders über Verschwendung und das Leben auf Kosten anderer nach.

Dreitorspitze (bei Garmisch)