…gibt es Streit und Leid unterm Weihnachtsbaum. Manchmal muss man sich schon fragen, wieso es immer gerade zum Weihnachtsfest so schwierig ist, die Dinge einfach mal so hinzunehmen wie sie eben sind. Nein, da wird schon vor dem ersten Geschenkpapierrascheln ein einziger Berg an Erwartungen aufgeschüttet. Und nicht selten scheitern die Menschen dann vor allem an sich selbst, wenn es diese riesige Hürde zu überwinden gilt.
Zwar wird Weihnachten nicht unterm Baum entschieden, wie eine Marktkette uns aktuell gerne vorzugaukeln glaubt. Aber die Szenerie eskaliert eben genau dort, wo es eigentlich am herzlichsten zugehen sollte – im Lichtermeer der Baumkerzen. Sicher in den seltensten Fällen liegt es am falschen Geschenk, aber dennoch scheint das grüne Geäst für manchen eher die Symbolik eines Marterpfahls einzunehmen als den eines Heil versprechenden Tannenbaums. Doch wieso entladen sich gerade vor dem ewiggrünen Gehölz so dermaßen die aufgestauten Emotionen? Jedes Jahr wieder haut sich die Verwandtschaft beim Anblick von Tannennadeln und Geschenken die Köpfe ein. Als ob jeder nur auf diesen Moment gewartet hätte, werden lieber Vorwürfe statt Geschenke ausgepackt und gejammert als gäb’s kein Morgen mehr. Vielleicht lässt sich dadurch endlich erklären, wieso im angelsächsischen Raum das Weihnachtsfest immer am 25. Dezember gefeiert wird.
Vielleicht ist es aber auch die notwendige Erdung der Gefühlswelten, wenn die Herzen auf Normalnull geeicht werden. Im besten Falle hat am Ende sich jeder so richtig Luft gemacht und wird Platz geschaffen für das eigentliche Fest. Danach hat man dann erneut zwölf Monate Zeit, um das Herz wieder bis oben hin aufzuladen und dann pünktlich zum Weihnachtszeit vor versammelter Mannschaft auszuschütten. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten.